Obsessive Liebe. Oder leidenschaftliche Illusion
Mario Vargas Llosa hat mich wieder überrascht. Mit Tante Julia und der Kunstschreiber hat es angefangen, da hat er mich gepackt. Das grüne Haus ist ein Klassiker, eindrucksvoll und fesselnd. Das böse Mädchen aber, mein drittes Vargas Llosa-Buch, ist so spannend wie ein Krimi. Ich stehe ja eigentlich (sic) gar nicht so auf unerträgliche Liebesgeschichten, die durch Bindungsängste auf der einen und Verlustängste auf der anderen Seite von Anfang an zum Scheitern verurteilt sind (Flinte. Korn) und deren einzige, wenn auch unheimlich leidenschaftliche Anziehungskraft in einer illusionsgeschwängerten Obsession bestehen (Hopfen. Malz), doch diese Geschichte ist gut. Verdammt gut. Obwohl auch das Bitch-O-Meter das ein oder andere Mal heftig ausschlägt, wenn man es an dieses Buch hält.
Da ist dieses böse Mädchen, wie er sie nennt, die einen mit ihrer unverbindlichen und rotzfrechen Art in den Wahnsinn treiben kann. Und da ist dieser gute Junge, wie sie ihn nennt, der sich zum Affen macht, weil er glaubt, dass ihr Schicksal unzertrennlich ineinander verschränkt ist. Natürlich findet man das alles höchst seltsam, natürlich schüttelt man mit dem Kopf, natürlich bewundert man diese dauerhafte Leidenschaft trotzdem. Vielleicht auch weil Mario Vargas Llosa diese Geschichte, die zur Hälfte Autobiografie und zur Hälfte Fiktion sein soll, angenehm leicht und unverkrampft erzählt, so wie ihm der Schnabel gewachsen ist. Eben soo wie er sie erlebt hat, und man hat das Gefühl, dass er auch die peinlichen Details nicht verschönt, was es absolut glaubhaft macht.
Das böse Mädchen taucht von den Fünfziger- bis zu den Achtzigerjahren öfter in seinem Leben auf als ihm lieb ist und seltener als er wünscht. Und dann verschwindet sie bald darauf wieder und lässt ihn mit gebrochenem Herzen sitzen. Und das in Lima, Paris, Newmarket, London, Tokio, Lagos, Paris, Madrid und Sète als kleine Chilenin, Arlette, Madame Robert Arnoux, Mrs. Richardson, Kuriko, Madame Ricardo Somocurcio und Otilia. Was bleibt ist die unruhige Konstante in seinem Leben, die wie ein Zwang scheint. Interessant ist aber auch die Zeitgeschichte, die unermüdlich mitläuft: Militärdiktatur, Hippies, Skinheads, Aids, Armut, der politische Autor hat es sich nicht nehmen seine Obsessionsgeschichte mit historischen Fakten zu untermalen. Gut so.
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Dieser Eintrag wurde am Juli 19, 2010 um 10:57 pm erstellt und unter Les-Bar mit den Tags Liebe, Zeitgeschichte abgelegt. Du kannst die Antworten auf diesen Eintrag durch den RSS 2.0 Feed verfolgen. Du kannst antworten oder einen Trackback Deiner eigenen Seite veranlassen.