… das ist alles gar nicht meine!”…
Ein Zitat aus einem Songtext der Prinzen, das nicht nur gut auf den zu Anfangs überall hochgelobten Debüt-Roman des 16-jährigen Fräuleins Helene Hegemann angewendet werden kann, sondern auch treffend den 1996 erschienenen Roman Soy un escritor frustrado von José Ángel José Ángel Mañas beschreibt.
Es ist das dritte Buch von José Ángel Mañas, der schon mit seinem Debutroman Historias del Kronen (Geschichten aus der Kronenbar, wurde auch verfilmt) einen Volltreffer landete. Es ist die Geschichte eines Literaturkritikers und Universitätsprofessoren, der einsehen muss, dass man außer dem Wunsch und der Lust am Schreiben – von Sprachgefühl und Handwerk ganz abgesehen – eben auch noch Begabung und Talent braucht. Hat er beides nicht. So gar nicht. Nur Frust hat er. Der ist dafür in besonderem Maß vorhanden.
Eines Tages fällt ihm das Manuskript eines seiner Studentinnen in die Hände. Es ist genial, ein Meisterwerk, so stellt er sofort fest, und lässt sich davon (und vom Alkohol) wohl ein bisschen zu viel inspirieren. Ein Plagiat ist eine dumme Sache (eine Entführung sogar ziemlich dumm), es lässt sich jedoch nicht vermeiden, will man einen Bestseller schreiben, so glaubt er.
Als ich den Titel las, befand ich mich gerade in einer Schreibkrise und wollte mich durch dieses Buch ein wenig inspirieren lassen. Beim Lesen dachte ich, oh scheiße, obwohl ja die gesamte Publizistik – von der Zeitung bis zum Buch – nun mal eine Abschreibungs-Branche ist und bleibt. Jeder, der schreibt, steht zwangsläufig unter dem Eindruck von Gelesenem. Die Frage ist immer nur, wie stark und wie erkennbar sich die….äh….Inspiration im Endprodukt niederschlägt.
Soy un escritor frustrado (zu Deutsch: Ich bin ein frustrierter Schriftsteller) ist ein großartiges Buch. Als ich damit durch war, entwickelte sich bei mir die Idee für einen echten Copy Paste Roman, wo jeder Satz aus einem anderen Werk stammt. Quellenangabe natürlich inklusive (im Anhang 100 Seiten fett).
“Nennt mich Ismael”, der erste Satz. Und dann folgen ein paar coole Sätze aus Historias del Kronen, ein Buch, das zwar sprachlich unauffällig ist (in die eine wie auch in die andere Richtung), inhaltlich aber vom Anfang bis zum Ende unverschämt ehrlich und brutal nüchtern bleibt (so muss man schreiben!). Das wird ein Fest! Viele Drogen, viel Alkohol, viel Sex, und das alles in Madrid, was will man mehr!
Nein, ich setze jetzt keinen Zwinkersmiley hier rein. Kommt überhaupt nicht in Frage. Und an dieser Stelle möchte ich eines unbedingt noch loswerden: Smileybenutzung hat immer eine von zwei Bedeutungen. Entweder, dass ich nicht in der Lage bin, sprachlich das auszudrücken, was ich eigentlich sagen will. Oder: dass alles, was ich schreibe, eigentlich nie so totalsuperernst gemeint ist, weil ich eigentlich ein ganz lieber bin, der total viel lächelt und auch lustig ist und nett.
José Ángel Mañas schreibt nicht nett. Er schreibt auch nicht lustig. Er sieht das auch nicht so verkrampft und spröde. Man darf ihn deshalb trotzdem lesen (müssen).
Gefällt mir:
Dieser Eintrag wurde am August 7, 2010 um 3:45 pm erstellt und unter Wunder-Bar mit den Tags Drogen, Literatur, Plagiat, Talent abgelegt. Du kannst die Antworten auf diesen Eintrag durch den RSS 2.0 Feed verfolgen. Du kannst antworten oder einen Trackback Deiner eigenen Seite veranlassen.
August 23, 2010 um 2:12 pm
das werde ich mir kaufen müssen!