Killer-Thriller
Mit Selbsterfahrungsprosa von Leuten mit Gewichtsproblemen kann ich nichts anfangen. Mit Lebenshilferatgebern erst recht nicht. Fantasy ödet mich meistens an. Gegen einen gut und intelligent geschriebenen Thriller, möglichst blutig und mit Serienmördern, ist jedoch nicht das Geringste einzuwenden, den ziehe ich mir gewohnheitsmäßig rein, immer mal so zwischendurch. Und Tom Rob Smith baut reichlich grausige Morde an Kindern wortgewaltig in sein Erstlingswerk Kind 44 ein.
Der Roman hat mir sehr gut gefallen. Die stimmungsvolle Beschreibung der Zustände im Russland der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts, die Schilderungen der Lebensumstände, sind schlagkräftig und hochgradig pointiert geschrieben. Hunger und Angst sind an der Tagesordnung, das System bestimmt über Leben und Tod. Wer da nicht mitspielt, dem droht im schlimmsten Fall der Gulag und/oder der Tod.
Tom Rob Smith, Jahrgang 1979 mit schwedisch-britischen Wurzeln, schreibt hauptberuflich Drehbücher für Fernsehserien, habe ich gelesen, und das merkt man, er schreibt unglaublich bildlich und der Rhythmus der Geschichte lässt den Anschein erwecken, dass er mit Kind 44 die Vorlage für einen guten (Kino)film geben wollte. An Actionszenen mangelt es jedenfalls nicht, da schöpft er aus dem Vollen.
Ich war mir aber bis heute nicht sicher, ob ich das Buch hier als unbedingt Les-Bar oder sogar fast als Wunder-Bar vorstellen soll, da es gegen Ende etwas nachlässt und etwas weinerlich daherkommt, da ich mich aber dazu entschlossen habe. auch den zweiten Band der Thrillerreihe um den Geheimdienstoffizier Leo Demidow, Kolyma, zu verlinken, kommt Tom Rob Smith in die Kategorie Les-Bar. Auch dieses Buch fesselt und ist spannend und interessant geschrieben, doch leider bestätigt der Autor in Kolyma den Abwärtstrend, der in Kind 44 zum Ende hin einsetzte.
Als Urlaubslektüre sind beide Bücher jedenfalls sehr zu empfehlen. Ich habe Kind 44 am Strand gelesen und zeitweise war mir das Salzwasser scheißegal. Und das will was heißen! Ich habe mir sogar überlegt, selbst einen Thriller zu schreiben. Der Plot: Ein sodomitischer Mullah flüchtet vor der Zwangsheirat mit einem Kamel nach Ostafrika, erlegt in der Serengeti einen Elefantenbullen mit südamerikanischem Pfeilgift, nachdem er den diensthabenden Wildhüter mit einem 32 Kilo schweren XXL-Koran aus südkoreanischer Massenproduktion erschlagen hat, reißt dem toten Elefanten mit bloßen Händen einen Stoßzahn aus, schnitzt daraus mit Hilfe einer Nagelfeile, die von einer blonden schwedischen Stewardess stammt, deren Flugzeug vom Typ Boeing 767 südlich der Sahel-Zone nach einem Angriff von Freischärlern mit Bazookas abgestürzt war, heimlich im Schutz der Nacht beim trüben Schein einer Ölfunzel, die mit Vorratsbeständen des Sultans von Brunei befeuert wird, dessen siebter Sohn aus 14. Ehe ein Auge auf Carla Bruni geworfen hat, deren Gatte in London ohne sie der Eröffnung der Olympischen Spiele beiwohnt, während die Georgier sauer sind, weil die Osseten es ähnlich machen wie die Tibeter, woran aber letztlich die Russen schuld sind, eine Mohammed-Statue, die gerade einmal 2,5 Millimeter groß ist und ihm nach Fertigstellung prompt aus den Fingern gleitet, um sich dem Blickfeld des Mullahs zu entziehen, der gerade zu Erholungszweckenauf Sylt weilt, weil er es mit den Bronchien hat und… Nein, das lass ich mal lieber, das kann ich nicht, ich verliere den Faden, soll doch Smith besser noch einen Thriller schreiben. Da kann man trotz allem nur cha….cha….cha…. wie hieß das noch ? Französisch für „Hut“?
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Dieser Eintrag wurde am Oktober 1, 2010 um 10:05 pm erstellt und unter Les-Bar mit den Tags Liebesgeschichte, Russland, Thriller abgelegt. Du kannst die Antworten auf diesen Eintrag durch den RSS 2.0 Feed verfolgen. Du kannst antworten oder einen Trackback Deiner eigenen Seite veranlassen.